BG Kritik: „Hulk“

12. September 2013, Christian Mester

David Banner (Nick Nolte) ist ein genialer Forscher, der an einer speziellen neuen Mutation arbeitet. Er will unermessliche Energie kontrollieren und macht Versuche an sich selbst, die jedoch nicht anzuschlagen scheinen. Als rund 30 Jahre später sein Sohn Bruce (Eric Bana) in einer Gammasphäre einer extremen Strahlung ausgesetzt wird, bricht sie schließlich in dessen Genen aus. Wann immer Bruce von Wut erfüllt ist, verwandelt er sich nun in den Hulk, einen vier Meter großen primitiven Menschenberg, der natürlich sofort von dem US-Militär gejagt wird. David ist darauf wild entschlossen, die Energie seines Sohnes für sich zu gewinnen…

Hulk (2003)
Regie: Ang Lee
Cast: Eric Bana, Nick Nolte, Jennifer Connelly

Kritik:
Ang Lee’s Hulk besteht im Grunde aus drei verschiedenen Teilen, die mal mehr, mal weniger funktionieren.

Zum einen geht es um die fanatische Geschichte des alten Banners, der genial von einem alternden Nick Nolte gespielt wird. Völlig wirr, auf 180 und durch und durch gefährlich ist er der schlecht getimete Bösewicht, der sich im Laufe der Story immer weiter entwickelt. Aufgrund eines zu vollgepackten Drehbuches aber geht es etwas unter, sodass man oft nicht sicher ist, ob jetzt Banner der Böse ist – oder aber der General der Army, der den Hulk für Forschungszwecke einfangen will. Spätestens beim zweiten Ansehen der kompliziert gedrehten Story, die von viel zu viel Rückblicken und Querverweisen durchzogen ist, zeigt sich jedoch, wie gut Nolte eigentlich ist.

Dann wäre da die unglaublich abgedrehte Action, die man im voraus wohl als einziges erwartet hatte. Und in diesem Bereich liefert Ang auch ungewohntes – statt Riesenmonster kämpft Hulk gegen Hulk-Hunde, und die Kampfszenen mit dem Militär sind so schräg gefilmt – gut, aber einfach total verrückt – dass man nicht weiß, ob man lachen, weinen oder staunen soll. Größter Schwachpunkt des Films ist dann Sohnemann selbst, denn obwohl Eric Bana sich bemüht und in Troja und München klasse war, bleibt er als Bruce Banner viel zu still und starr. Man glaubt einfach keine Sekunde, dass Jennifer Connelly sich in ihn verlieben könnte, und es fällt auch schwer, irgendeine Emotion ihm gegenüber aufzubauen.

Mit 140 Minuten ist Hulk auch noch viel zu weit gezerrt, und vom Schnitt her gefühlte 7 Stunden lang. Die Überblendungen sind zwar traumhaft gut im Comic-Style eingeführt, aber die Story wird extrem anstrengend und schwierig erzählt, dass ihr nicht jeder folgen kann.

Dabei ist gerade das Ende äußerst interessant. Während sich Bruce endlich seinem Vater stellt und damit die Dämonen seines ganzen Lebens konfrontiert, greift David (in neuer Form) nach der puren Energie, die wiederum sein Leben dominierte. Sowohl optisch als auch filmerisch ein grandioses Ende, das im Verständnis jedoch bei wenigen ankam. Wie schon gesagt, ist die Lovestory zwischen Bruce und seiner Freundin Betty absolut nicht glaubhaft, was dazu beiträgt, dass viele der Szenen kraftlos erscheinen und sich wie Kaugummi in die Länge ziehen. Während der Score gut rappelt, sind die Effekte ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sieht der Hulk teils wirklich gut aus (für einen vier Meter großen Menschen), auf der anderen aber ist das Design seines Gesichts zu Kleinkindhaft, was darin resultiert, dass der Hulk oftmals eher zu belächeln statt zu bestaunen oder fürchten ist. Die Action? Originell und abwechslungsreich, auch wenn sie mitunter an der Schwere der Story und Machart leidet.

Der Film wäre jedoch besser gewesen mit einer wesentlich kürzeren Laufzeit, einem emotionaleren Bruce Banner und einem deutlich erwachseneren Hulk-Design.

Fazit:
Hulk verlangt Geduld, und wer die mitbringt und nicht nur Bambam-Action wie die von Mr Hyde in Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen erwartet, der bekommt einiges geboten. Ang Lee’s Hulk ist schlichtweg der etwas andere Superheldenfilm – groß, grob und zeitbedürftig, aber auch nicht makellos.

7 / 10

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.

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