„Gotham“: Kritik zur Episode „Spirit of the Goat“ (S01E06)

28. Oktober 2014, Christian Schäfer

In der Folge „Spirit of the Goat“ der US-Serie „Gotham“ bekommen Harvey Bullock (Donal Logue) und Jim Gordon (Ben McKenzie) es mit einem Killer zu tun, der Harvey an einen lange zurückliegenden Fall erinnert. Der Mörder von damals ist aber tot. Haben unsere Detectives es mit einem Nachahmer zu tun oder steckt was Übernatürliches dahinter?

© Fox

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Vorweg: Dieser Artikel enthält Spoiler zum Handlungsverlauf der Episode.

Harvey Bullock
Es war an der Zeit, dass wir mehr über Harvey erfahren und wie er zu dem zynischen Polizisten wurde, der Jim bei den aktuellen Fällen begleitet. „Spirit of the Goat“ verschafft hier Abhilfe. Wir bekommen gleich zu Anfang in einem Rückblick zu sehen, wie ein jüngerer Detective Bullock nicht auf Verstärkung wartet, sondern direkt und gegen den Willen seines Partners Dix (Dan Hedaya) versucht, eine junge Frau zu retten. Die Aktion ist aber nur von einem Teilerfolg begleitet. Der Killer wird zwar zur Strecke gebracht, aber die Frau ist tot und Dix wird schwer verletzt.
Für Harvey fand in der Vergangenheit damit ein kleiner Wendepunkt statt, was uns in der Gegenwart nicht nur die Figur ein wenig näherbringt, sondern auch dazu führt, dass er aktiver als sonst daran interessiert ist, den Fall der Woche zu lösen. Und dafür wurde es ebenfalls Zeit. Es ist zwar nett, den missmutigen und zynischen Cop als eine Art Gegenstück zu Gordon zu sehen, aber ihm sollte halt trotzdem was daran liegen, Verbrechen aufzuklären und nicht Mittagspausen oder schiere Unlust vorschieben. Entsprechend ist es diese Woche Bullock, der dem wahren Killer auf die Spur kommt und zuvor auch die Führung im Fall übernimmt. Das wusste zu gefallen.

Jim Gordon
Abgesehen von seiner Beteiligung an den Ermittlungen, konzentriert sich die Geschichte um Jim Gordon dieses Mal auf seine Beziehung mit Barbara Kean (Erin Richards) und auf die internen Ermittlungen von Renee Montoya (Victoria Cartagena) und Crispus Allen (Andrew Stewart Jones), die einen Augenzeugen für den „Mord“ an Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) aufgetrieben haben.
Barbara und Jim haben ihren Konflikt von vorletzter Woche gelöst. Mehr noch, sie ist sogar bereit, zusammen mit ihm die Stadt zu verlassen, als sie von Renee erfährt, dass Jim verhaftet werden soll. Barbara erweist sich damit ein weiteres Mal als Jims große Stütze, der er vertrauen kann und die ihm in allen Belangen zur Seite stehen will – auch wenn es ein Leben auf der Flucht bedeuten würde. Gordon ist zwar weiterhin zögerlich und weiht sie nicht großartig in die Vorgänge im GCPD ein, aber er weiß nun genau, dass er ihr vollends vertrauen kann.
Die Episode endet – wie schon so oft passiert – mit einem großen Knall. Gordon wird tatsächlich von Montoya und Allen verhaftet (Flucht kommt für ihn nicht in Frage) und die Aufregung im GCPD ist groß. Unverhofft steht plötzlich Oswald – der die Angewohnheit hat, Überraschungsauftritte zu absolvieren – auf der Schwelle und lässt damit die Katze aus dem Sack. Ein toller Moment, denn damit platzt der Knoten um Jims Geheimnis überraschend früh, was Harvey auch gleich mit einem „You son of a bitch.“ in Richtung Gordon belohnt. Er wäre wohl lieber (als sein Komplize) ins Gefängnis gegangen.
Man kann nun mit Spannung erwarten, wie der Mob um Falcone (John Doman) und Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) darauf reagieren wird, dass Jim seinen Auftrag nicht ausgeführt hat und Cobblepot noch lebt. Schade nur, dass Maroni (David Zayas) damit das Druckmittel genommen wird, welches er gegen Jim hätte einsetzen können – denn er wurde ja letzte Woche in das Geheimnis eingeweiht.

Spirit of the Goat
Zur weiteren Charakterisierung von Harvey funktionierte der Killer der Woche ganz gut. Schön auch, dass ein wenig in Richtung übernatürlicher Ansatz gespielt wurde, denn es ließ sich zwischenzeitlich annehmen, dass tatsächlich ein Geist sein Unwesen in Gotham treibt. Für ein bodenständiges Resultat – wie es am Ende auch offenbart wurde – kamen nach allem, was wir von Harvey über den Fall mitbekommen haben, eigentlich nur zwei Leute in Frage: Dix oder Dr. Marks (Susan Misner) – wobei letztere erst kurz vor Ende als Verdächtige präsentiert wird und ein wenig zu schnell zugibt, die Täterin hinter den Killern zu sein.
Dass man sich für Marks entschieden hat, war ein guter Entschluss. So bleibt die Möglichkeit bestehen, noch andere ältere Fälle von Harvey auf die Bildfläche zu bringen und/oder weitere Besuche bei Dix unterzubringen. Was weniger gut gelungen ist, sind allerdings mal wieder die Motive des Killers, in diesem Fall die von Dr. Marks. Schön und gut, die ganze Stadt weiß über das Übel der Korruption Bescheid. Aber die Methoden, um diesem Übel beizukommen, sind nicht weniger verwerflich als der Mob selbst. Dr. Marks lässt die ältesten Kinder der reichen Familien durch ihre hypnotisierten Patienten umbringen und nimmt dabei in Kauf, Unschuldige zu töten. Komische Idee von Gerechtigkeit oder Säuberung der Stadt.
Außerdem bleiben noch ein paar Fragen offen: Weshalb hat sie zehn Jahre gewartet, um die Mordserie fortzusetzen? Wie hat der damalige Killer den männlichen Nachwuchs getötet, wenn er alle auf die gleiche Art und Weise ermordete? Genauso wie die jungen Frauen?
Den Machern scheint viel daran zu liegen, ihre Bösewichte mit eigentlich ehrbaren Motiven (Verbrechensbekämpfung) auszustatten. Man denke da nur an den „Balloonman“ oder den Killer von letzter Woche – auch die wollten dem Übel in Gotham an die Gurgel gehen. Aber es klappt noch nicht, das Ganze so rund zu gestalten, dass der Zuschauer sich nachvollziehbar für den jeweiligen Bösewicht begeistern könnte. Sollte das in Zukunft gelingen, könnte man sich den Kopf darüber zerbrechen, ob die Taten der Killer nicht vielleicht moralisch vertretbar wären und die Serie bekäme einen ganz anderen (höheren) Level.

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Der Rest vom Schützenfest
Während der Mob diese Woche pausiert (gute Entscheidung übrigens, dadurch fühlte es sich diese Woche nicht so überladen an wie in anderen Folgen), bekam Edward Nygma (Corey Michael Smith) mehr als nur eine Standard-Szene serviert. Während vor allem Harvey den Forensiker stets herablassend behandelt, scheint Edward auch kein Glück bei den Frauen zu haben. Smith spielt die Figur dabei nerdig-nervig, woran sich eigentlich wenig aussetzen lässt. Dennoch darf daran gezweifelt werden, ob sich bei der weiteren Entwicklung für den angehenden Riddler eine ähnliche Begeisterung breitmachen wird, wie beim angehenden Pinguin. Wird die Isolation von den anderen ihn in den Wahnsinn treiben und zum bekannten Batman-Gegner werden lassen? Sieht so aus. Hoffentlich bekommt man das auch gut genug hin, denn die bisherigen Ansätze sind eher so lala.
Bruce Wayne (David Mazouz) und Alfred (Sean Pertwee) sind diese Woche nur kurz zu sehen. Erwähnenswerter Punkt: Bruce gibt Alfred eine verbale Ohrfeige als er meint, der Killer würde es schon nicht auf ihn abgesehen haben – denn er hat ja niemanden, von dem er vermisst werden würde und den man mit einem Mord an seiner Person treffen könnte. Armer Alfred.
Außerdem wird uns kurz ins Gedächtnis gerufen, dass Selina Kyle (Camren Bicondova) noch da draußen ist, als sie ins Wayne Manor einbricht. Sie entdeckt dabei die bisherigen Ergebnisse von Bruce’ Nachforschungen und klaut eine kleine Schachtel. Ihr Interesse an dem Jungen ist nach wie vor vorhanden, aber noch gibt es keine weiteren Entwicklungen an dieser Front.
Oswald stattet diese Woche seiner Mutter (Carol Kane) einen Besuch ab, der sich etwas kurios gestaltet, aber nicht besonders interessant daherkommt. Im Grunde genommen hätte der Auftritt am Ende auch allein gereicht.

Fazit: Besser als letzte Woche. Vor allem die Geschichte um Harvey wusste zu gefallen und es tat auch gut, dass einige Handlungsstränge eine Pause eingelegt haben oder nur kurz zu sehen waren. Der Fall der Woche war ebenfalls ein wenig besser und der Cliffhanger mit Oswalds Auftritt lässt mit Spannung die nächste Episode erwarten.

7,5/10 Helden

Zitat der Woche: „Therapist or the rapist?“ – Harvey Bullock.

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