„Gotham“: Kritik zur Episode „The Mask“ (S01E08)

11. November 2014, Christian Schäfer

In der Folge „The Mask“ der US-Serie „Gotham“ bekommen es Harvey (Donal Logue) und Jim (Ben McKenzie) mit einem „Fight Club“ zu tun. Auch an den anderen Fronten wird etwas weiter gestrickt.

© Fox

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Vorweg: Dieser Artikel enthält Spoiler zum Handlungsverlauf der Episode.

Fight Club
Mit „The Mask“ sind wir zwar zurück beim Fall-der-Woche-Schema, aber die Nachwirkungen aus „Penguin’s Umbrella“ sind deutlich spürbar. Abgesehen von Harvey und Captain Essen (Zabryna Guevara) bekommt Gordon nur die kalte Schulter von seinen Kollegen zu sehen. Da war Harveys kurze Ansprache, als es darum ging, Gordon zu retten, ein netter kleiner Moment, der auch gut gewirkt hat. Somit wird das Verhältnis der anderen Cops zu Jim wohl in Zukunft besser werden. Schade nur, dass er eigentlich gar nicht gerettet werden musste. Man hätte dem Sinneswandel der Cops dort mehr Bedeutung verleihen können, wenn Gordon seinen Angreifern unterlegen gewesen wäre (obwohl es schon ziemlich cool war, dass er am Ende als Sieger aus dem Kampf hervor geht).
Der Bösewicht der Woche – Richard Sionis (Todd Stashwick) – war leider wieder eine äußerst schwache Figur. Die Idee von einem Fight Club innerhalb der eigenen Firma hatte zwar was und die Kämpfe im Büro zur Belustigung der Mitarbeiter und mit Büro-Utensilien war nett anzusehen, aber war auch so unglaubwürdig wie ein schlechter Comic (Vergleich beabsichtigt). Dass Sionis selbst nicht schon vorher aufgeflogen ist, dürfte selbst in einer korrupten Stadt wie Gotham ein Wunder gewesen sein – zumal er seinen Fight Club schon länger betreibt. Da sollten doch so Dinge wie der Daumen, den man bei einer Leiche gefunden hat, nicht passieren – zumal derjenige, dem der Daumen abgetrennt wurde, diesen doch vermissen sollte. In Zukunft müssen einfach bessere Fälle kommen. Positiv war eigentlich nur, dass damit die Verhältnisse im Gotham City Police Department im Mittelpunkt standen.

Barbara
Letzte Woche durfte Barbara Kean (Erin Richards) mit ihrer plötzlichen Rückkehr schon Gordon einen Strich durch seine Rechnung machen, als sie in die Hände von Falcones Handlanger Victor Zsasz (Anthony Carrigan) geriet. Diese Woche lässt sich ihr Handeln noch weniger nachvollziehen. Davon, dass sie durch Zsasz schlecht behandelt wurde, bekamen wir jedenfalls nicht viel mit (wurden ihr nicht sogar Gebäck angeboten?), was die anfänglichen Szenen mit Jim schon leicht merkwürdig erscheinen lässt.
Der Hammer kommt aber später, als sie Gordon (mal wieder) sitzen lässt – wegen einem Telefonat, was er abbrechen musste? Die Dame lässt sich kaum verstehen. Erst verlässt sie ihn, weil er ihr von seinen Arbeitsgeheimnissen nichts erzählen will (zu ihrer eigenen Sicherheit) – gut, halbwegs nachvollziehbar und die Krise geht auch wieder vorüber. Dann kommt sie nach Gotham zurück, nachdem Jim ihr erklärt hat, dass die Lage sehr gefährlich für sie sei (zudem waren kurz zuvor auch schon ein paar Mafiosi in ihrer Wohnung). Und nun haut sie wieder ab, weil Jim keine Zeit am Telefon für sie hat (was ja auch durchaus der Fall war). Oder gab es einen anderen, triftigeren Grund für ihren Aufbruch?

Mob
Ganz soviel tut sich diese Woche nicht bei den mafiösen Geschäften, obwohl man etwas mehr hätte erwarten können. Liza (Mackenzie Leigh) soll für Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) Unterlagen aus Falcones (John Doman) Büro besorgen, wird aber beinahe dabei erwischt, wie sie das Betäubungsmittel in seinen Tee schüttet, woraufhin viel von der Flüssigkeit daneben geht. Hätte sich angeboten, dort eine spannende Szene einzufügen, in der man sieht, wie sie an die Unterlagen kommt – denn darauf wurde zunächst hingearbeitet. Nur fehlt diese Stelle in der fertigen Folge. Stattdessen gibt es am Ende nur zu sehen, wie sie Fish das gewünschte Material übergibt.
Da waren die Szenen mit Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) doch wesentlich interessanter. Man merkt Fish bei den Verhandlungen an, wie viel Mühe sie damit hat, Oswald nicht gleich um die Ecke bringen zu lassen. Aber sie kommt nicht umhin, ihm doch etwas ans Leder zu gehen, was dazu führt, dass ihr neuer Schirmträger nähere Bekanntschaft mit Oswald macht. Der angehende Pinguin schlägt dort wieder zwei Fliegen mit einer Klappe: Er fügt Mooney Schaden zu, indem er einen weiteren ihrer Handlanger beseitigen lässt und bekommt Informationen über einen Maulwurf in Falcones Reihen. Letzteres wird sich wieder einmal auszahlen und beschert Cobblepot ein weiteres Ass im Ärmel.
Sonstige Auffälligkeiten hier: Mooneys Lügengeschichte gegenüber Liza als es um Mama Mooney (Teodorina Bello) ging. Für einen Moment konnten wir annehmen, ein bisschen Hintergrundgeschichte über Fish zu erfahren, aber letztlich lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie viel von der Geschichte wahr oder falsch ist. Komisch war auf jeden Fall, dass Liza sich nicht über die doch recht betagte Sängerin auf der Bühne gewundert hat.
An anderer Stelle gab es wieder ein paar Szenen mit Oswalds Mutter Gertrud (Carol Kane). Ein wenig mehr Hintergrund der Familie ist sicher nicht verkehrt, aber eine größere Bedeutung scheint sich hier nicht zu offenbaren.

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Bruce Wayne
Eigentlich könnte man bei den Szenen von Bruce (David Mazouz) und Alfred (Sean Pertwee) mal wieder die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen. Nicht gerade originell, was uns die Autoren da diese Woche bescheren. Es geht in die Schule und es gibt einen Jungen – Tommy Elliot (Cole Vallis), in den Comics später als „Hush“ bekannt – der es auf Bruce abgesehen hat. Der typische Bully eben.
Obwohl dieser Teil der Episode nicht so gut zum Rest passt, war es aber doch eine angenehme Abwechslung, zumal Alfred überraschend direkt vorgeht, nachdem er „Master Waynes“ Blessuren bemerkt und den Jungen dazu animiert, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Sieht so aus, als wenn Alfred demnächst Kampfunterricht erteilt, damit Bruce seinen hämischen Mitschülern gewachsen ist.

Sonstiges
Edward Nygma (Corey Michael Smith) darf wieder öfter auftreten. Es gleicht schon einem kleinen Wunder, dass ihm aufgrund seiner „Beliebtheit“ nicht schon längst gekündigt wurde. Andererseits geht er seinem Job mit einem ähnlichen Elan nach wie Jim und liefert dank gewissenhafter Untersuchungen wertvolle Spuren. Große Sympathien für die Figur bleiben aber weiterhin aus, auch aus Zuschauersicht.
Selina Kyle (Camren Bicondova) meldet sich ebenfalls zurück und landet nach einem misslungenen Shopping-Raubzug auf der Polizeistation. Ob Gordon nun endlich etwas mehr über die Wayne-Morde von ihr erfährt? Abwarten, als Cliffhanger funktioniert ihre Rückkehr jedenfalls weniger gut und auch die letzte Szene der Folge mit Bruce und Alfred steht hinter dem zurück, was sonst gegen Folgenende geliefert wurde.

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Fazit: Bestenfalls eine solide Episode, denn bei kaum einem Handlungsstrang gibt es Großartiges zu sehen. Es ließ sich absehen, dass es mit „The Mask“ wieder in den alten Trott zurück geht, dennoch hätte es an mehr bedurft, um wirklich Spaß an der Episode zu haben.

5,5/10 Schwerter im Chefbüro

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