„The Flash“ (1990): Kritik zur Serie

6. Juli 2014, Christian Schäfer

CBS, der US-Sender, der heute hauptsächlich durch sein Crime- und Comedy-Programm bekannt ist, bestellte für seine Herbstsaison 1990 eine Superhelden-Serie, die auf der gleichnamigen DC-Comicfigur basiert: The Flash. Wie so oft gilt, dass in dieser Kritik leichte Spoiler enthalten sind.

© Warner Bros. Television / CBS

© Warner Bros. Television / CBS

Die erste Staffel besteht aus 22 Episoden, wobei der Pilot in doppelter Lauflänge gedreht wurde, und sollte auch gleichzeitig die letzte Staffel sein. Die Zuschauerzahlen waren CBS zu niedrig und angeblich lagen die Produktionskosten zu hoch, als dass man der Serie eine zweite Staffel spendieren wollte. Die Kosten pro Episode wurden auf mehr als eine Million US-Dollar geschätzt, was zu der Zeit in der Tat ziemlich hoch war. Da im Vorjahr gerade Tim Burtons „Batman“ mit Michael Keaton in der Titelrolle erfolgreich in den Kinos einschlug, wollte man auch dem Fernsehpublikum eine Comicfigur präsentieren und hoffte auf ähnlichen Erfolg. Dazu wurde ebenfalls ein Soundtrack von Danny Elfman und ein Kostüm von Stan Winston bestellt – beides schon damals bekannte Namen, die hauptsächlich mit großen Kinoproduktionen in Verbindung gebracht wurden.

Der 90minütige Pilotfilm erzählt zunächst die Origin-Geschichte von Barry Allen (gespielt von John Wesley Shipp), der als forensischer Wissenschaftler bei der Polizei tätig ist und eines Abends vom Blitz getroffen wird – womit er seine Superkräfte erhält. Ihm zur Seite steht Dr. Christina „Tina“ McGee (Amanda Pays), eine Wissenschaftlerin bei den S.T.A.R.-Labs, die um Barrys superschnellen Kräfte Bescheid weiß, ihm dabei hilft, diese zu kontrollieren und im Verlauf der Serie auch eine Art love interest für unseren Helden spielt. Wie in vielen anderen Serien auch, bleibt es aber stets nur bei romantischen Andeutungen. Sobald der Weg für eine echte Beziehung gelegt wird, kommt stets etwas dazwischen und anschließend scheinen die beiden wieder bei null anzufangen.
Die dritte Hauptrolle ging an Alex Désert, der Barrys Partner in der forensischen Abteilung der Polizei, Julio Mendez, verkörpert. Neben seiner Rolle bei der normalen Arbeit ist Julio jemand, der sich um Barrys Liebesleben sorgt und ständig versucht, ihn mit Bekanntschaften seiner Freundin Sabrina (Gloria Reuben) zu verkuppeln. Dabei ist Julios eigene Beziehung mit Sabrina auch oft ein (kriselndes) Thema. Von Barrys geheimer Identität als The Flash bekommt Julio nichts mit, obwohl er eigentlich genug Hinweise im Serienverlauf erhält. Es gibt lediglich eine Folge, in der er kurz davor steht, den roten Blitz als seinen Laborpartner zu identifizieren – aber am Ende bleibt Barrys Doppelleben doch ein Geheimnis für Julio (abgesehen von der Episode, die zu einem Großteil in der Zukunft spielt – aber auch dort wird das Wissen um Barry am Ende wieder ungeschehen gemacht).

Der Pilot etabliert Central City als eine düstere Stadt, in der das Verbrechen an jeder Ecke lauert. Im Mittelpunkt steht dabei die Motorrad-Gang von Nicholas Pike (Michael Nader), die den Behörden den Kampf angesagt hat. Barry ist der jüngere Sohn von Henry Allen (M. Emmet Walsh) und seiner Frau Nora (Priscilla Pointer) und steht im Schatten seines Bruders Jay (Tim Thomerson), einem „echten“ Cop. Die Familienverhältnisse spielen eine große Rolle im Piloten und Verleihen Barry eine Tiefe, die für die damalige Zeit recht ungewöhnlich ist. Seine Motivation, als Flash gegen Pike und seine Gang ins Feld zu ziehen, wird spätestens mit dem Tod von Jay eindeutig herausgestellt. Aber schon zuvor wird klar, wie es um Barrys Persönlichkeit bestellt ist und dass er mit seinen Mitteln alles macht, um seinem Bruder – Papis Liebling – nachzueifern, womit sein Werdegang zum maskierten Verbrechensbekämpfer gut geebnet wird.
Barrys Beziehung mit Iris West (Paula Marshall) spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle und gestaltet den künftigen Helden menschlicher als man es von der Serie erwarten würde. Allerdings wurde Iris nur im Piloten verwendet und taucht in den weiteren Episoden nicht wieder auf – lediglich eine Postkarte aus Paris erinnert in der zweiten Folge daran, dass sie nicht einfach verschwunden ist.
Was Barrys Geschwindigkeit angeht, hat die Nutzung dieser Kraft ernste Konsequenzen für ihn. Es kommt zu Schwächeanfällen, die in den weiteren Episoden nicht oder nur selten thematisiert werden. Er muss Unmengen an Nahrung zu sich nehmen (was sich aber scheinbar nicht auf seine Toilettengänge auswirkt), was immer wieder veranschaulicht wird, und seine Selbstheilungskräfte sind enorm gesteigert. Die Spezialeffekte der nunmehr mehr als zwanzig Jahre alten Serie lassen mit heutigen Augen natürlich zu wünschen übrig, aber im Anbetracht der Zeit sind sie doch sehr ordentlich umgesetzt und der Pilot hat auch einige sehr ansehnliche Stunts zu bieten.
Überhaupt funktioniert der Pilot auch heute noch ganz gut und kann sich durchaus mit einigen älteren B-Movies messen. Wer nicht unbedingt die ganze Serie nachholen möchte, bekommt in den 90 Minuten jedenfalls einen unterhaltsamen Film präsentiert.

Überraschenderweise legt der Auftakt aber nur den Grundstein für die Figur des Barry Allen, nicht aber für den Stil der Serie. Die Qualität schwankt stark von Episode zu Episode. Einmal ist es düster, dann wieder bunt. Viele Fälle der Woche kommen als normale Kriminalfälle daher, die von Klischees nur so triefen. Hier und dort werden die Fälle mit ungewöhnlichen Erfindungen aufgepeppt, die von Science-Fiction zu Science-Fantasy variieren. Dann wieder gibt es auch knallbunte und komplett verrückt wirkende Folgen, die eher in die 1960er Jahre Batman-Serie mit Adam West passen würden – ja, Trickster (Mark Hamill), ich meine Dich!
Auffällig ist auch, dass die Serie zwar im Jahr 1990 beziehungsweise 1991 spielen soll, aber die Zeitlinie nur selten spezifiziert wird. Viele Autos könnten aus den 40ern stammen und es wirkt seltsam, diese dann neben den moderneren Wagen und Computersystemen zu sehen. In einer Episode geht es auch in die Zukunft, ins Jahr 2001, in der wiederum eine andere (mögliche) Welt gezeigt wird (die aus heutiger Sicht natürlich wenig zutreffend für 2001 gestaltet ist). Diese Weigerung, sich auf einen einheitlichen Ton zu einigen, nagt dann auch stark am Seherlebnis des Zuschauers. Etwas weniger Varianz zwischen ernsthaftem Drama, humorvollen Episoden, Trash und Klischees hätte der Reihe sicher gut getan.
Aber Shipp nimmt seine Rolle sehr ernst, ist Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Episoden, die sich als Fälle der Woche präsentieren und mit seinem Schauspiel meist allen anderen überlegen. Mit ihm steht und fällt die Serie, wodurch sich auch die weniger gelungenen Stories gut verkraften lassen.

© Warner Bros. Television / CBS

© Warner Bros. Television / CBS

Unter den Gastdarstellern lassen sich übrigens zahlreiche bekannte Namen finden. Mark Hamill wurde oben schon erwähnt. Aber auch Denise Crosby, Jeri Ryan, Richard Burgi, Jeffrey Combs oder Jonathan Brandis dürften den Zuschauern keine Unbekannten sein. Das eine oder andere Gesicht meint man zudem schon öfter in Serien aus der Zeit gesehen zu haben. Wie zum Beispiel Dick Miller, der den Kleinganoven Fosnight mimt und mehrere Gastauftritte als Barrys Informant in der Reihe hat.
Andere regelmäßig auftretende Figuren sind der launische Lt. Warren Garfield (Mike Genovese) und die beiden Streifenpolizisten Murphy (Biff Manard) und Bellows (Vito D’Ambrosio). Letztere sorgen mit ihren kleinen Auftritten immer wieder für Lacher, die der Serie gutstehen.
Auch einige Bösewichte und Verbündete kommen mehr als einmal vor. Erwähnenswert wäre hier Megan Lockheart (Joyce Hyser), die in drei Episoden dabei ist und hinter Barrys Geheimnis kommt – ist sie dabei, mimt sie auch die Rolle eines love interest und steht damit in Konkurrenz zu Dr. McGee. Jason Bernard darf in zwei Folgen als Desmond Powell a.k.a. Nightshade dabei sein und sich als eine Art Mentor für den Flash geben. Er hat in den 50ern noch für Recht und Ordnung in Central City gesorgt – ebenfalls hinter eine Maske, aber ungleich Barry ohne besondere Fähigkeiten. Lediglich technische Gadgets standen ihm zur Verfügung und mittlerweile ist er im Ruhestand. Nicholas Pike bekommt einen zweiten Auftritt als Gegner, ebenso wie Hamills Trickster.

Wie bereits oben geschrieben, schwanken die Episoden sehr stark. Müsste ich einige Favoriten benennen, wären sicher neben dem Piloten die Folgen „Sight Unseen“ (1×10), „The Deadly Nightshade“ (1×16) und „Captain Cold“ (1×17) dabei. Bei den Episoden stimmte die Mischung in meinen Augen am besten, auch wenn sie von Perfektion noch weit entfernt sind. Womit ich weniger anfangen konnte, waren die Trickster-Folgen (1×12 und 1×22) sowie „Ghost in the Machine“ (1×09), wo der Trash-Faktor einfach zu groß war. Es gab auch einige Episoden, die wohl Standard für die Zeit waren: Eine Familienfolge mit Papa Allen (1×06), eine Kinder-Folge (1×07), eine Baby-Folge (1×14) und diverse Episoden, die sich eine Neben- bzw. Hauptfigur zum Thema nahmen, wie z.B. in „Shroud of Death“ (1×08) oder „Tina, Is That You?“ (1×13). Diese Geschichten waren nicht unbedingt schlecht, aber bewegen sich selbst für die damalige Zeit auf zu ausgetretenen Pfaden, um echtes Interesse zu wecken.

Auch wenn da jetzt viel Negatives durchklingt, war das Gesamtpaket doch unterhaltsam und ich hätte gerne mehr von der Serie gesehen. Vielleicht nicht unbedingt, wie der Flash Wäsche zusammenlegt, blitzschnell den Abwasch erledigt oder durch schnelles Gitarrenspiel einen Gegner außer Gefecht setzt. Aber trotz der limitiert scheinenden Fähigkeit waren doch tolle Ideen mit dabei und die nicht vorhandene Einheitlichkeit der Episoden sorgte dann auch für gute Abwechslung bei den Abenteuern.

Fazit: Durchaus einen Blick wert. Zumindest den Piloten kann man sich mal ansehen. Bei den einzelnen Folgen wird wohl der persönliche Geschmack ausschlaggebend dafür sein, ob es unterhaltsam oder einfach nur zum vor-die-Stirn-klatschen wirkt. Teils starke Abstriche müssen in Kauf genommen werden, um wirklich alle Episoden zu sichten, was aber mit Blick auf das Alter der Reihe wenig verwunderlich sein sollte. Eine Vorliebe für 80er Serien sollte hilfreich sein und Shipp verkörpert seine Rolle meist sehr gut.

5,5/10 rote Blitze

P.S.: Vielleicht noch ein paar Worte zur DVD-Box. Ich habe mir die französische Komplettbox zugelegt und mich dort an der englischen Tonspur erfreut. Eine deutsche Veröffentlichung auf DVD gibt es soweit ich weiß nicht. Aber die australische Box hat eine deutsche Tonspur. Das Bildformat (meiner Box) ist 4:3, die Qualität so lala und vom Stereo bekommt man meist nicht viel mit. Abgesehen von den Episoden befinden sich auch keinerlei Extras auf den Scheiben.

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